PETER REINHOLD VON SIVERS – EIN BAHNBRECHER
IN DER LIVLÄNDISCHEN FORSTWIRTSCHAFT
Toivo Meikar
In den Ostsee–Gouvernements des Russisches Reiches wurde im letzten Viertel des XVIII. Jahrhunderts die Forstwirtschaft zu einem selbständigen Wirtschaftszweig. Das zeigen vor allem die ersten elementaren Forsteinrichtungen, nach denen die Wälder vermessen, geplant und einigermaßen geschätzt, die Jahresschläge gesondert und Prinzipien zur weiteren Bewirtschaftung festgelegt wurden. In den 1770er Jahren kamen Förster als örtliche Leiter der praktischen Forstwirtschaft in die Privat- und Staatswälder Livlands. Ein großer Teil der Forstbeamten stammte aus Deutschland, wo sie sich forstkundliche Elementarkenntnisse angeeignet hatten. Den größten Teil der Forsteinrichtungen dieser Zeit führten die Geodäten aus, unter denen es auch sachverständige Forstwirtschaftler gab. Eine wesentliche Rolle in der Entwicklung des forstlichen Denkens spielte die während der zweiten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts aus Deutschland übergesiedelte Intelligenz. Mehrere ortsansässige Adelige, die an deutschen Universitäten vor allem Kameral- und Naturwissenschaften studiert hatten, verwendeten ihre Kenntnisse zur Organisierung der Forstwirtschaft in ihren Gütern (Meikar, 1991:1292-1309). Zu den Letztgenannten gehörte zum Beispiel Balthasar Frhr. von Campenhausen (1745–1800), der als Verfasser der im Jahr 1783 rechtskräftig gewordenen Forstinstruktionen, als Schöpfer der staatlichen Forstwirtschaftsorganisation und als Praktiker auf dem Gebiete der Forstwirtschaft auf Ösel/Saaremaa in die Geschichte eingegangen ist. Aus der Feder der Gelehrten und der forstinteressierten Gutsbesitzer sind am Ende des Jahrhunderts die ersten rein forstlichen Beiträge erschienen, in denen unter anderem die praktische Einrichtung der Forstwirtschaft, forstwirtschaftliche Arbeiten usw. behandelt wurden. Der Autor einer der ersten im Jahr 1783 veröffentlichten Arbeiten war Friedrich Wilhelm von Sivers (1716–1781), Besitzer von Ranzen, Soosaar, Euseküll und Kurwitz in Livland. Das letzte ging 1789 in den Besitz des Sohnes von Peter Reinhold von Sivers (1760–1835) über, der im Jahr 1793 dem Gute den jetzigen Namen – Heimthal – gab.
P. R. von Sivers studierte zunächst an der Universität Leipzig, arbeitete vom Jahr 1783 an in den Gerichtsorganen des Kreises Pernau und Fellin. Er hat wesentliche Verdienste in der Geschichte der im Jahr 1802 gegründeten Livländischen Adeligen Güterkreditsozietät. In den Jahren 1803–1806 war er Direktor des Estländischen Distrikts der Sozietät und 1806–1809 Oberdirektor derselben, 1818–1833 Livländischer Landrat. 1813 wurde er Mitglied der Livländischen Gemeinnützigen und Ökonomischen Sozietät (fernerhin Sozietät). Sivers ist vor allem als aktiver Landespolitiker, überzeugter Gegner der Leibeigenschaft und Landwirt bekannt geworden (Deutschbaltisches..., 1970:737). Doch hat Sivers eine große Bedeutung auch in der Geschichte der Forstwirtschaft und -wissenschaft der Baltischen Gouvernements, indem er hier einer der ersten konseqenten Orgnisatoren dieses Wirtschaftszweiges war. Mit seiner praktischen Arbeit in Heimthal und in den Livländischen Ritterschaftsgütern inspirierte er auch andere Waldbesitzer, eine zeitgemäßere Forstwirtschaft zu organisieren. Seine forstlichen Experimente zeigten den möglichen Weg, wie in den durch den Wahlhieb verwüsteten Wäldern die Holzbestände in den richtigen Zustand zu bringen und eine regelmäßige Forstwirtschaft zu organisieren wären. Er nahm aktiv an der Tätigkeit der Sozietät teil und war der nächste Mitarbeiter und Freund des Sekretärs und bekanntesten Forstwissenschaftlers Andreas von Löwis of Menar (1777–1839).
Doch wird in den zeitgenössischen Artikeln nur selten auf die forstwirtschaftliche Tätigkeit von Sivers hingewiesen, und das auch nur indirekt. So zum Beispiel erwähnt Carl Ferdinand von Hueck in seinem bekannten Werk "Darstellung der landwirtschaftlichen Verhältisse in Esth-, Liv- und Curland" (1845) unter den etwa zwanzig auf dem Gebiete der Forstwirtschaft aufgefallenen Gütern auch Heimthal und die Ritterschaftsgüter. Es ist charakteristisch, daß wir in estnischen Nachschlagewerken den Namen P. R. von Sivers nicht finden, wohl findet er aber in den agrarischen und wissenschaftsgeschichtlichen Abhandlungen Erwähnung.
Was das eigene literarische Erbe von Sivers betrifft, so wurde es auf dem Gebiete der Forstwirtschaft anspruchslos und meistenteils im "Allgemeines Schriftsteller– und Gelehrten–Lexikon der Provinz Livland, Esthland und Kurland" von Johann Friedrich von Recke und Carl Eduard Napiersky (1832) und in dessen Ergänzungsband (1861) fixiert. Dabei sind aber die in der Publikation der Petersburger Gesellschaft zur Förderung der Forstwirtschaft veröffentlichten zwei bedeutendsten Schriften von Sivers, in denen er seine forstwirtschaftliche Tätigkeit in Heimthal und in den Ritterschaftsgütern zusammenfaßt, unbemerkt geblieben. Die obengenannten Artikel wurden für die folgende Übersicht über die praktische Tätigkeit von Sivers gebraucht (Sivers, 1835a:283–286; Sivers, 1835b:276–282).
Laut der Information von P. R. von Sivers bekam er die Wälder Heimthals ganz vom Wahlhieb verwüstet, wobei sich der Hieb unmittelbar vor der Trennung Heimthals von Euseküll vollzogen hatte. Die besten Bäume an den zugänglichsten Stellen waren gefällt, wobei man die Wipfel und Äste hatte umherliegen lassen. Zudem wurden die stark gelichteten Wälder windempfindlich, was weiterhin das Ausmaß des Lagerholzes vergrößerte. Aber schon 1790 begann der Geodät des Pernauschen Kreises, Jakob Johann Kohl, auf Wunsch des Gutsbesitzers in Heimthal mit Vermessungen und fertigte 1793 den Generalplan und die Schilderung des Gutes an. Die 1259 ha Wirtschaftswälder des Gutes wurden in fünf Reviere, die selbständige wirtschaftliche Einheiten bildeten, eingeteilt. Wenn man noch 58 kleine Gehege dazurechnete, so betrug das Waldgelände 58 % von der Gesamtfläche des Gutes. Im selben Jahr 1793 beendete der Geodät Conrad Martin Sengbusch noch den Atlas des Gutes (Geometrisches Charten Buch von denen Sämmtlichen privat Heimthalschen Hofes Felder, Wiesen, nebst Laub und Nadel Wälder), von dessen 13 Karten fünf jedem einzelnen Revier gewidmet sind /EHA, B. 1342, V. 1, M. 14, Bl. 19; M. 41, Bl. 11–15/.
Die Wälder sind im Atlas mit einer gleichmäßigen hellgrünen Farbe markiert, die die Holzbestände im gewönlichen Sinne nicht unterscheidet. Wohl aber ist der Waldboden nach der Fruchtbarkeit in fünf Bonitätsklassen, diese wiederum auf Grund des Urgesteins des Bodens in 17 Unterabteilungen eingeteilt. Es wurden noch "Zustand des Bodens", "Lage des Bodens" und "Exposition nach den Himmelsgegenden" angemerkt. Zehn verschiedene Baumarten wurden durch entsprechende Zeichen vermerkt, deren Größe von der Wichtigkeit der konkreten Art auf dem gegebenen Gebiet abhängig war. Ein beliebiges Beispiel dazu: III, 12, c, h, 1. Nach einer besonderen "Explications Tabelle zur Forst Chart" finden wir, es handelte sich um "Mittelboden mit Damerde, wo sind Sand mit kleinen Steinen. Zustand des Bodens gemäßig frisch, Lage des Bodens eben". Es dominierte die Fichte, dazu kamen Schwarzerle, Birke und Linde. Jedes Revier wurde entweder zum Hoch- oder Niederwaldbetrieb bestimmt, die proportional in 70 oder 30 Jahresschläge eingeteilt wurden. Im Hochwaldbetrieb betrug der Umfang des Jahresschlages 4 ha, im Niederwaldbetrieb vom konkreten Revier abhängend 5–14 ha. Dabei wurden die Jahresschläge mit der auf Grund der Bodenwertung gemachten Einteilung nicht verbunden.
Von den etwa zwanzig bekannten Forsteinrichtungen von Sengbusch ist die in Heimthal verfaßte eine einzigartige. Eine analoge Bonitierung des Waldbodens und auf diesem Grund die Einteilung der Holzbestände finden wir in keiner anderen Forsteinrichtung dieser Zeit. Das und der Gebrauch der in den Baltischen Gouvernements fremden Maßeinheiten ("Maastaab, deren 87 Ruthen auf einen Decimal Zoll gehen") weist unmittelbar auf die deutschen Einflüsse oder auf eine aus Deutschland stammende Person hin, da sonst auf den Karten der landwirtschaftlichen Nutzflächen des Atlasses der gewöhnliche Ellenmaßtab gebraucht wurde. Die Forsteinrichtung in Heimthal war eine der ersten (wenn nicht die allereste) in Livland ausgeführten Arbeiten von Sengbusch. Ob es dabei mit den in Deutschland gesammelten Erfahrungen, mit der Anwendung des Gelernten oder mit dem unmittelbaren Einfluß von Sivers zu tun hatte, bleibt unklar. Jedenfalls sah Sivers die außerordentliche Bedeutung der Kenntnisse über den Boden im Waldbau ein, und das wurde später eines von seinen vielen Forschungsgebieten.
Während der Vermessung der Wälder wurde in Heimthal ein Förster angestellt, dem zuerst vier Buschwächter unterstellt waren. Dennoch gab es viel Verwirrung. Nach von Sivers hatte man es mit einem "Gelehrten Förster" zu tun, in jener Zeit also mit einem aus Deutschland stammenden Forstbeamten. Doch arbeitete in Heimthal nach der Seelenrevisionsliste bis 1769 Magnus Bär als Förster, ein freier Bauer aus dem Gute Neu–Bornhause/Uue–Pornuse, als sein Nachfolger sogar der leibeigene einheimische Bauer Soeru Jürri. Der Letztgenannte legte einem ganzen Förstergeschlecht den Grund, denn in diesem Amt arbeitete ab 1826 sein Sohn Andrus Sengelmann, von dem diese Arbeit 1834 an Jaak Sengelmann überging. Der Jener arbeitete als Förster in Heimthal noch Ende der 1850er Jahre. In den Gutsdokumenten steht er nicht als Förster, sondern als Oberbuschwächter /EHA, B. 567, V. 2, M. 15, Bl. 15; B. 1865, V. 3, M. 204–9, Bl. 24–25; M. 210–2, Bl. 20; M. 212–1, Bl. 12; B. 2467, V. 3, M. 232, Bl. 226/. Man muß aber berücksichtigen, daß auch später die Oberbuschwächter manchmal Förster genannt wurden. Jedenfalls hatte man es hier mit einem Forstbeamten ohne Fachausbildung zu tun. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß Sivers selbst seine Forstbeamten einigermaßen mit den forstlichen Elementarkenntnissen bekannt machte, jedenfalls hielt er sie für sachkundige und fleißige Beamte und unterstrich die besonderen Verdienste des Försters bei der Bewirtschaftung der Wälder.
Der wirkliche Leiter der Forstwirtschaft in Heimthal war jedoch von Sivers, der auch die Forstwirtschaftsregeln bestimmte. Für sein Hauptziel hielt er den Schutz der erhaltenen Bauwälder und den Waldbau, die verwüsteten Wälder in den richtigen Zustand zu bringen und die regelmäßige Forstwirtschaft zu organisieren. Dazu mußte man die Nadelholzbestände zu den Bauwäldern, die Laubholzbestände zu Brennholz- oder Werkholzwäldern bestimmen. Doch zuerst konnte man in Heimthal den Schlagwirtschaftsbetrieb nicht anwenden und man mußte sich nur auf verschiedene Waldbauhiebe beschränken. Es war aber möglich, auf den kleineren hiebfähigen Flächen den Kahlschlag mit Erhaltung der Samenbäumen durchzuführen (der Samenhieb). Dieser Hieb war wichtig auch hinsichtlich des Sammelns von Nadelholzsamen, da die vorläufige Hoffnung, Samen zu kaufen, scheiterte.
Von den Plänen der Reviere wurden Kopien hergestellt, auf die Stellen der jährlichen Hiebe, das erworbene Holzquantum und Sortiment und die erhaltengebliebenen Samenbäume vermerkt wurden. Nach der Entstehung der natürlichen Erneuerung des Waldes mußte man diese Gebiete mit der Farbe des Hauptbestandes bezeichnen. Nach von Sivers Meinung gaben solche Waldpläne die nötigen Information für die im Walde auszuführende Arbeiten, und so fiel das Bedürfnis nach weiterer Rechnungsführung aus.
Um 1815 begann Sivers mit einer umgfangreichen Entwässerung des Waldes. Ohne diese Arbeit gründlicher zu behandeln, bemerkt er nur, daß allein das Ziehen einzelner Haupt- und Nebengräben genügte, um auf den entwässerten Gebieten den Zuwachs des Waldes beträchtlich zu erhöhen. Das führte mit der Zeit zur Vergrößerung der Fläche des Fichten–Bauwaldes.
P. R. von Sivers behandelt in seinen Artikeln nicht konkrete Waldbauarbeiten, und in Wirklichkeit fehlt Klarheit über den Umfang dieser Arbeiten in Heimthal. Doch war das eine der wesentlichsten Seiten der forstwirtschaftlichen Tätigkeit von Sivers, und gerade dadurch wurde er allgemein bekannt. Bekannt sind auch seine Versuche mit Kulturwäldern, womit er verschiendene Sähweisen und ihre Tauglichkeit für den konkreten Boden und die Baumarten zu finden versuchte. Alldem schlossen sich meteorologische Beobachtungen, Forschung des Waldbodens usw. an /EHA, B. 1185, V. 1, M. 70, Bl. 76/. Ende der 1820er Jahre begann man mit regelmäßigen Pflegehieben, die man auch schon früher nötigenfalls im begrenzten Umfang gemacht hatte. Es ist interessant, daß dabei das Gebüsch, das das Wachstum der Bäume nicht hinderte und für die Vögel eine nötige Umwelt gab, aufbewahrt wurde. Die naturfreundliche Denkensart von Sivers zeigt auch das, daß von den Schlägen diese Waldteile ausgeschlossen wurden, in denen zahlreiche ca. 150–jährige Kiefern wuchsen, die als Naturobjekte für die zukünftigen Generationen aufbewahrt werden sollten. So beschränkte man sich hier nur auf das Abräumen kranker und toter Bäume.
Wahrscheinlich wurde hier im Jahr 1816, als die Wälder Heimthals von neuem geplant wurden, ein Quartalnetz gebildet. In der Wirtschaftsführung hatte das aber keine besondere Bedeutung, und ungefähr sechs Meter breite Quartalschneisen dienten der Waldüberwachung und wahrscheinlich auch als Wege für den Holztransport im Winter. Nach eigener Schätzung von Sivers konnte er die Wälder Heimthals in 45 Jahren dank der richtigen Bewirtschaftung und der Arbeit fleißiger Waldbehörden zu hoher Blüte bringen.
Obwohl P. R. von Sivers wenigstens anfangs seine Arbeiten in Heimthal nicht propagierte, erregten sie doch bald Aufsehen. Aus alledem ergab sich, daß die Leitung der Forsteinrichtungen in den Ritterschaftsgütern Livlands ihm aufgetragen wurde. In den Jahren 1817–1818 wurden diese Wälder vermessen und geplant, die Jahresschläge gebildet. Als Beispiel dazu diente das in Heimthal von Sivers Vollbrachte, das positive Ergebnisse gezeitigt hatte. Im Jahr 1818 wurde Sivers zum Landrat gewählt, wobei er zur selben Zeit auch zum Forstmeister der Ritterschaft wurde. Zur Richtlinie seiner Tätigkeit sollte die in demselben Jahr von Löwis verfaßte und vom Landtag bestätigte Forstinstruktion werden. Sivers verzichtete aber auf die genaue Einhaltung der letzteren, indem er die Anwendung der Heimthaler Erfahrungen für richtiger hielt. Vor allem betraf das die Verwendung entsprechender Hiebweisen, um die Bestände in den richtigen Zustand zu bringen, und andere Waldbauarbeiten. Er war überzeugt, daß er auf diese Weise auch die Ritterschaftswälder in 70–80 Jahren in den besten Zustand bringen könnte. Tatsächlich wurden neben Heimthal auch die Ritterschaftsgüter schon zu Lebzeiten von Sivers zum Musterobjekt und tatsächlichen Vorbild für andere Gutsbesitzer in Livland. Die Arbeit von Sivers als Forstmeister bedingte die Überprüfung der geltenden Forstinstruktionen. Auf die Bitte von Löwis machte Sivers im Jahr 1832 Verbesserungsvorschläge zur Organisierung der Waldkulturen und Hiebe, um durch die Anwendung der geeigneten Maßnamen die Wälder in den richtigen Zustand zu bringen. In seinem Brief an Löwis vom 13. Juni 1832 meinte er, daß das von ihm Angebotene zur Organisierung der richtigen Bewirtschaftung der unter den Wahlhieben gelittenen Wäldern Livlands auch eine weitere Bedeutung hat. Doch schlug er den Vorschlag von Löwis ab, ein Handbuch für gründlichere Waldbauarbeiten zu verfassen, denn ihm fehlte eine nötige Übersicht von den Waldtypen und -böden Livlands, die Erfahrungen Heimthals und der Ritterschaftsgüter hielt er nicht für genügend /EHA, B. 1185, V. 1., M. 70, Bl. 76/. In Zusammenarbeit verfaßten aber Sivers und Löwis 1835 eine neue Forstinstruktion für Ritterschaftsgüter, die zur weiteren Verbreitung und zum Vorbild in der Zeitschrift der Peterburgschen Gesellschaft zur Beförderung der Forstwirtschaft veröffentlicht wurde (Èçâëå÷åíèå..., 1840:44–81). Sivers nahm auch an der Organisierung der Forstwirtschaft einiger Güter unmittelbar teil. Mit einem Kontrakt vom 8. Oktober 1807 zwischen dem Besitzer des Gutes Woiseck/Võisiku, Georg von Bock, und dem Geodäten Andreas von Dreyer verpflichtete sich der letztere bei der Kartierung nach den Richtlinien von Sivers auf den Waldplänen die Jahresschläge zu vermerken, diese in der Natur mit Schneisen voneinander abzutrennen und mit den numerierten Schlagpfosten zu bezeichnen /EHA, B. 567, V. 2, M. 1076, Bl. 3–4/.
In der Sozietät wurde P. R. von Sivers einer der nächsten Mitarbeiter von Löwis. Der letztere inspirierte auf jegliche Art die forstlichen Versuche von Sivers und war bestrebt, deren Ergebnisse auch weiter zu verbreiten, um so mehr, als Sivers hierbei selbst keine Initiative zeigte. Es ist charakteristisch, daß seine umfangreicheren und bedeutenderen Schriften in Rußland auf Anregung von Löwis erschienen sind, der es für notwendig hielt, die praktischen Arbeiten von Sivers weiter zu propagieren, indem er das niedrige Niveau der Forstwirtschaft in Rußland berücksichtigte. Von seinen in der Heimat veröffentlichten Publikationen könnte man kleinere Beiträge über die waldschonenden Bauweisen (Sivers, 1825a:XLII), die Bedeutung des Heidekrauts in natürlicher Walderneuerung und beim Schutz der sandigen Waldböden (Sivers, 1825b:XXXII), die Beforstung der zeitweiligen Ackerländer (sog. Buschland) (Sivers, 1832:241–256) nennen. Als einer der ersten propagierte er aktiv die damals in Ungnade gefallenen Pflegehiebe. Die Sozietät gab nämlich im Jahr 1823 eine Preisschrift kund, um statt der beim Umzäunen der Ackerländer gebrauchten Holzzäune eine alternative Möglichkeit zu finden, da mit dem Bau solcher Zäune die Vernichtung der Nadelholzwälder einen drohenden Umfang nahm. In seinem Brief vom 12. Juni 1825 an den Sekretär der Sozietät hielt er eine solche Fragestellung für künstlich, die die Prinzipien der Forstwirtschaftung ignoriert. Mit Recht lenkte er die Aufmerksamkeit auf die Tatsache, daß zum zielbewußten Anlegen und Bewirtschaften der Waldkulturen in der Regel auch Pflegehiebe gehören. Damit sollte man im 20–jährigen Nadelholzjungwuchs beginnen und nötigenfalls alle zehn Jahre wiederholen, bis die Hiebreife erreicht ist. Auf diese Weise könnte das in dem Jungwuchs gefällte Material gut zum Zaunholz gebraucht werden, weil zu jener Zeit das kleine Nutzholz keine besondere Verwendung fand und auch als Brennholz in waldreichen Gegenden nicht immer in Frage kam. Also kam es nicht darauf an, daß die Errichtung der Holzzäune schädlich war und die Wälder dadurch verheert wurden, sondern auf die richtige Bewirtschaftung des Waldes. Wenn man aber mit der Errichtung der Zäune Jungwuchs vernichtete, konnte man dessen nur die unwissenden Gutsbesitzer beschuldigen. In einem bedeutend milderen Ton machte Sivers seine Ansichten auch in der Zeitschrift der Sozietät bekannt /EHA, B. 1185, V. 1, M. 58, Bl. 226; Sivers, 1825c:64–67/.
Nach der allgemeinen Meinung hatten die Schriften von Löwis zur Folge, daß der forstwirtschaftliche Gedanke in den Baltischen Gouvernements auf ein neues Niveau stieg, und man muß im allgemeinen damit einverstanden sein. Aber Löwis war hier doch nicht allein. Vielmehr ist es richtiger zu sagen, daß die praktische Arbeit in vielen Privat- und Staatswäldern noch entscheidender war. Ein derartiger hervorragender Praktiker war Sivers, dessen Arbeit gleichzeitig ein anregendes Vorbild für andere Waldbesitzer wurde. Daneben gab es in den Unternehmungen von Sivers auch ein Untersuchungsmoment, und einiges von seinen Erfahrungen und Erfolgen erschien auch in Druck.
Die forstwirtschaftlichen Interessen und Beschäftigungen des Vaters waren auch ein Vorbild für seine Söhne, den Landwirt Peter Anton von Sivers (1807–1893) und den Schiftsteller und späteren Professor des Rigaschen Polytechnikums Jegor Julius von Sivers (1823–1879). So setzte P. A. von Sivers die schon von Löwis angefangene Arbeit zur Verfassung der für die Baltischen Gouvernements geeigneten Ertragstafeln fort, wobei er die Wälder Heimthals als Versuchsbasis benutzte. Die vorläufigen Ergebnisse dieser unbeendeten Arbeit stellte er auf der Versammlung der Sozietät im Jahr 1847 vor. Im nächsten Jahr machte er daselbst die Ergebnisse der in Heimthal auf großen Flächen ausgeführten Birkensaaten bekannt /EHA, B. 1185, V. 1, M. 155, Bl. 37–38, 53–54/. Von 1855 an verbindet P. A. von Sivers seine praktische Arbeit mit dem Gute Rappin/Räpina, später nahm er aktiv an der Tätigkeit des Baltischen Forstvereins teil. Er hat Artikel über Waldbau, Ökonomik der Forstwirtschaft, Waldverwertung und andere Fragen veröffentlicht. Als Wissenschaftler widmete J. J. von Sivers sich vor allem der Dendrologie.
Nach den Angaben der Planungsarbeiten in Heimthal 1854 hatte das Gut 1358 ha Wälder, wovon beinahe 20% zum Bauwald gerechnet wurden. Der Zustand und das Aussehen des Waldes wurde für sehr gut gehalten. Regelmäßige Hiebe wurden angewandt, der Umfang derselben mit dem Zuwachs im Gleichgewicht gehalten. Der Wald selbst spielte eine wesentliche Rolle in der Gutswirtschaft. Ungefähr die Hälfte des gefällten Brennholzes und etwas Baubalken wurden verkauft. Im Gute arbeiteten große Brennholzverbraucher: Branntweinbrennerei, Ziegelei, Kalkofen; Holzkohle, Teer und Terpentin wurden hergestellt /EHA, B. 2469, V. 3, M. 232, Bl. 226, 232, 328–329, 334/. In Heimthal wurde auch weiterhin die Forstwirtschaft auf einem hohen Niveau gepflegt, obgleich es wegen der schnellen Entwicklung der Forstwirtschaft in den Baltischen Gouvernements immer schwerer wurde, mit etwas Besonderem aufzufallen. Große Aufmerksamkeit erregten die für damalige Zeit umfangreichen Entwässerungsarbeiten, die vom Oberforstrat G. Dittmar aus Hessen geleitet wurden. Seit den 1860er Jahren arbeitete er als Oberförster in Karkus/Karksi. Zugleich war er auch allgemeiner Leiter der Forstwirtschaft in Heimthal und in mehreren anderen Gütern dieser Gegend. In Heimthal wurde er als Umgestalter der organisatorischen Seite der Forstwirtschaft bekannt. Als einer der ersten begann er hier mit der Bildung eines ständigen Waldarbeiterkaders und mit der Einführung des Geldlohnsystems für die Buschwächter. Berühmt wurde auch der von ihm angelegte und erfolgreich funktionierende Waldsaatkampf. Die ungefähr zur selben Zeit in Heimthal gebaute moderne Korndarre wurde auch als Zapfendarre gebraucht, die hier gesammelten Waldsamen verkauft. Ende des Jahrhunderts beschäftigte man sich in Heimthal auch mit Lärchenzucht. Eine positive Erscheinung war auch das, daß zwischen dem Gut Heimthal und dem im Jahr 1888 gegründeten Livländischen Waldschutzkomitee keine Mißverständnisse entstanden, wenigstens brauchte sich das Komitee hier nie in die Forstwirtschaftung einzumischen. Außerdem sei zu erwähnen, daß im Jahr 1912 die Forstabteilung des Livländischen Bureaus für Landeskultur die für jene Zeit die modernste, auf Grund der Methodik von Eugen Ostwald (1851–1932) ausgearbeitete Forsteinrichtung in Heimthal verwirklichte.
Zum Schluß muß man noch sagen, daß in der Geschichte der Forstwirtschaft der Baltischen Gouvernements auch andere Linien von Sivers eine wesentliche Rolle gespielt haben. So erreichte der Bruder von P. R. von Sivers August Friedrich (1766–1823) bei der Organisierung der Forstwirtschaft in Euseküll bemerkenswerte Ergebnisse, unter seinen Nachfolgern gibt es auch bekannte Forstleute. Es genügt, wenn wir uns noch an Friedrich Maximilian (Max) von Sivers (1857–1919) erinnern, einen hervorragenden deutschbaltischen Waldkundler, der im Jahr 1881 vollberechtigter Besitzer des Gutes Römerschof/Skriveri wurde. Man kann sagen, daß die ganze deutschbaltische Waldkunde seit ihrer Entstehung bis zu ihrer Unterbrechung in der Heimat unmittelbar mit dem Namen von Sivers verbunden ist (Meikar, 1993:13–18). Die Ergebnisse dieser Arbeit bleiben in den Wäldern Estlands und Lettlands bestehen und bildeten dort eine Basis, auf die sich die nationale Forstwissenschaft beider Länder stützen konnte.
Literatur
Meikar, T. Metsaamtenikud ja -huvilised Eestis 18. sajandi lõpul. // Akadeemia. Tartu, 1991, nr. 6, lk. 1292–1309.
Meikar, T. Siversid Baltimaade metsanduses. // Mets ja Puu. Tallinn, 1993, Ak. 3, nr. 5, lk. 13–18.
Sivers, P. v. Erfahrungen im Bau landwirtschaftliche Gebäude von Wetter–Arbeit. // Oekonomisch–gemeinnützige Beilage zum Ostsee–Provinzen–Blatte. Riga, 1825a, Nr. 11, S. XLII.
Sivers, P. v. Rettung des Heide–Krautes. // Oekonomisch–gemeinnützige Beilage zum Ostsee–Provinzen–Blatte. Riga, 1825b, Nr. 8, S. XXXII.
Sivers, P. v. Ueber die Befriedigung offener Plätze auf dem Lande. // Livländische Jahrbücher der Landwirthschaft. Dorpat, 1825c, Bd. 1, St. 1, S. 64–76.
Sivers, P. v. Die Buschländer in Livland, deren Feuer verheert. // Livländische Jahrbücher der Landwirtschaft. Dorpat, 1832, Bd. 7, St. 3, S. 241–256.
Deutschbaltisches biographisches Lexikon 1710–1960. Hrsg, von W. Lenz. Köln–Wien, 1970.
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. Õîçÿéñòâî â ëåñàõ ïðèíàäëåæàùèõ Ëèôëÿäñêîìó Äâîðÿíñòâó. // Ëåñíîé Æóðíàë. ÑÏá., 1835à, ¹ 5, ñ. 283–286.Ñèâåðñ Ï. Ëåñíîå õîçÿéñòâî â ïîìåñòüå Ãåéìòàëú, â Ëèôëÿíäèè. // Ëåñíîé Æóðíàë. ÑÏá., 1835á, ¹ 5, ñ. 276–282.
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Archivmaterialien
Estnisches Historisches Archiv (EHA)
EHA, Bestand 567, Verzeichnis 2, Mappe 15
EHA, B. 567, V. 2, M. 1076
EHA, B. 1185, V. 1, M. 70
EHA, B. 1185, V. 1, M. 58
EHA, B. 1185, V. 1, M. 155
EHA, B. 1342, V. 1, M. 14
EHA, B. 1342, V. 1, M. 41
EHA, B. 1865 V. 3, M. 204–9
EHA, B. 1865, V. 3, M. 210–2
EHA, B. 1865, V. 3, M. 212–1
EHA, B. 2467, V. 3, M. 232
EHA, B. 2469, V. 3, M. 232