DIE ERSTEN SCHILLERDENKMÄLER IN DER WELT

Malle Salupere

Schon im Schillerjahr 1905 wurde in der Welt berichtet, daß das erste Schillerdenkmal sich in Estland befindet. In seinem Vortrag "Schiller und Livland" hat B. A. Hollander so geschrieben: "Wenig bekannt ist, daß unser Heimatland sich rühmen kann, das älteste Denkmal zu besitzen, das Schiller zu Ehren errichtet worden ist. Wohl wurde gleich nach dem Tode des Dichters in seiner Geburtsstadt Marbach der Gedanke erörtert, ihm ein Denkmal zu setzen, aber erst 1830 ist auf der Schillerhöhe in Volksstädt die Denneckersche Büste aufgestellt /.../. In unserem Lande ist bereits 1813 von Frau Wilhelmine v. Helwig, auf der Insel Pucht (Schloss Werder) dem Andenken Schillers eine 1.28 Met. hohe Gedenksäule geweiht worden (Nach einer liebenswürdigen Mitteilung des Herrn K. v. Loewis of Menar, der augenblicklich für die Restaurierung des Denkmals Sorge trägt [Anmerkung von Hollander]). Die Säule trägt die Inschrift: " Dem Andenken Friedrich von Schiller Deutschlands erhabenem Dichter und Liebling der Musen gewidmet 1813" (Hollander, 1905).

Dieses Denkmal, eigentlich ein Denkstein, wurde auch im Buch "Album baltischer Ansichten" von W. S. Stavenhagen erwähnt, wo er 1857 über Pucht/Puhtu schreibt: "Der Küste folgend finden wir ein Häuschen in unmittelbarer Nähe des plätschernden Meeres versteckt unter alten Linden. In der Nähe des Häuschens erhebt sich ein Denkstein, von einer deutschen Frau vor 50 Jahren Schiller geweiht, als dieser Edle der edlen deutschen Frauen Herz und Gemüt lebhaft bewegte" (Stavenhagen, 1857:3–4). Zehn Jahre später, 1867, hat Stavenhagen in der Titelvignette zum Buch "Album estländischer Ansichten" das Bildnis des Häuschens mit dem Schillerdenkmal geliefert. Der heute in Pucht stehende und im Jahr 1958 neu errichtete Dolomitstein stimmt mit dieser Zeichnung nicht ganz überein – was bei seiner verwickelten Geschichte auch nicht weiter verwundert. Wir wollen diese Geschichte während des letzten Jahrhunderts verfolgen, nach den Berichten in der estnischen Presse.

Das von Löwis of Menar im Jahr 1905 erneuerte Denkmal stand unversehrt bis zum Ersten Weltkrieg, während dessen es von Soldaten für Schießübungen benutzt wurde. Beim begeisterten Aufbau der staatlichen Selbständigkeit Estlands war dann alles, was unestnisch (wie früher "undeutsch") war, verachtet, und das Denkmal geriet Vergessenheit. Im Jahr 1926 hat das estnische "Muusikaleht" (Musikblatt) ein Musikblatt des deutschen Sängervereins referiert, daß an der Westküste Estlands hätte in Pucht das älteste Schillerdenkmal der Welt gestanden, das von den russischen Soldaten während der Revolutionszeit barbarisch zerstört worden sei. In dem Beitrag wird gefragt, ob unsere Altertumspfleger etwas darüber wissen (Muusikaleht, 1926:126), doch scheint diese Frage wahrscheinlich ohne Antwort worden zu sein.

Die nächste Erwähnung des Denkmals finden wir im "Eesti Päevaleht" (Estnisches Tagesblatt) 1930: "Die amerikanische Goethe–Gesellschaft bittet um Auskunft über den Zustand des Denkmals und ist bereit, es auf ihre Kosten zu restaurieren. Das Außenministerium hat die Bitte dem Bildungsministerium überwiesen, dieses werde die nötige Nachricht und Fotos versenden" (Päevaleht, 1930).

Dieselbe Zeitung teilt am 18. November 1933 auf der ersten Seite mit, daß die Amerikaner, nämlich die Universität New York, das erste Schillerdenkmal der Welt in Estland zum 175. Geburtstag Schillers zu erneuern bereit sei. Der Stein sei schon in Arbeit und das Programm der feierlichen Eröffnung wird besprochen.

Vor drei Jahren hatte sich der Haapsalsche Bürgermeister an die deutsche Kulturautonomieverwaltung mit der Bitte gewendet, für die Erhaltung des Denkmals Sorge zu tragen, aber kein Verständnis gefunden (Päevaleht, 1933).

Im Schillerjahr 1934 waren wohl in verschiedenen Theatern mehrere Aufführungen seiner Bühnenstücke, aber das Denkmal ist in der estnischen Presse nicht einmal erwähnt worden. Erst 1937 kehrt "Eesti Päevaleht" zu diesem Thema zurück und veröffentlicht einen längeren Aufsatz unter dem Titel "Die Laufbahn eines aus Estland stammenden Gelehrten in Amerika", wo nebst Porträt und Biographie des Professors Otto P. Peterson, einen bekannten Schillerrezeptions–Forscher in Rußland, berichtet wird, daß er zusammen mit seinen Studenten an der Universität New York des Willens sei, ein erneuertes Denkmal in Pucht zu errichten. Er hat schon vor einigen Jahren sich mit dem estnischen Konsul darüber verständigt. Auch der amerikanische Präsident (F. D. Roosevelt) hat sich beim Empfang des Professors gefreut, daß die amerikanische Jugend der jungen Republik ein Denkmal schenken will (Päevaleht, 1937). Das Geschenk kam jedoch nicht zustande, vielleicht wegen des schon drohenden und bald beginnenden Weltkrieges, vielleicht wegen einiger autokratischen Elemente in der letzten estnischen Regierung. Ein Jahr später 1938, wendet sich "Eesti Päevaleht" erneut diesem Thema mit einem Foto vom runden Steinzylinder sowie eine Übersetzung der Texte zu. (Päevaleht, 1938).

Nach dieser Nachricht war das Denkmal beinahe 20 Jahre vergessen und wurde im Zweiten Weltkrieg noch mehr zerstört. In der Bucht Matsalu wurde in der sowjetischen Zeit (1957) ein Seevögelschutzgebiet und in Pucht eine ornithologische Beobachtungs- und Untersuchungsstation der Akademie der Wissenschaften gegründet. Dann erschien im Wochenblatt für "Sirp ja Vasar" ein Leserbrief des berühmten Ornithologen Prof. Eerik Kumari mit der Beschreibung des Denkmals im damaligen Zustande und mit einem Aufruf, das Denkmal schnell zu renovieren (Sirp ja Vasar, 1957).

Dieser Brief hatte Erfolg. Die örtliche Zeitung von Lihula "Koit" teilt am 10. November 1959 mit, daß der Bildhauer Paul Horma nach dem Original und mit den Archivmaterialien ein neu bearbeitetes Denkmal am 17. September 1958 an die alte Stelle errichtet hatte und die Reste des Originals ins Museum für Heimatforschung von Haapsalu gebracht wurden.

Wenn man die Aufnahmen des neuerrichteten Denkmals mit der Aufzeichung von Stavenhagen aus dem Jahr 1857 vergleicht, so fällt sofort auf, daß die Oberteile der Denkmäler verschieden aussehen. Die Proportionen und der klassizistische Stil werden von Horma eingehalten, aber gegenüber der strengen Schlichtheit der ersten Variante ist das neue Oberteil mehr zergliedert und etwas "verschönert" worden. Es ist schwer festzustellen, welche Archivmaterialien Horma benutzt hat, aber die Originalzeichnung von Stavenhagen ist scheinbar nicht darunter gewesen. An dem Standort war vom Oberteil schon nach dem Ersten Weltkrieg nichts erhalten, nach dem Zweiten Weltkrieg wußte man gemäß dem Brief von Kumari schon nicht mehr, ob da eine Büste oder etwas anderes gestanden hatte. Die jetzige Gestalt des Gedenksteins ist allseits bekannt worden, in Nachschlagwerken und in den estnischen Reiseführern wird es als das erste Schiller–Denkmal der Welt gemeint.

Und doch gehört diese Ehre nicht nur der ehemaligen russischen Provinz Estland, sondern auch Livland. Diese in dem estnischen Kulturgebiet schon vor etwa 25 Jahren wahrgenommene Tatsache ist den deutschen Lesern fast unbekannt geblieben. Die Autorin hat darüber am Ende des Jahres 1981 einen Bericht veröffentlicht (Salupere, 1981), nachdem ihr ein kleines Büchlein in die Hände gekommen war, wo die bisherigen Vermutungen über ein noch früheres Schillerdenkmal zur Wahrheit wurden.

Man hatte vergessen, daß Stavenhagen noch ein anderes Schillerdenkmal erwähnte. In der 16. Lieferung seines Albums ist die Schloßruine in Helmet/Helme (Kreis Fellin) abgebildet, wobei außer der Geschichte des Ordensschlosses bemerkt wird: "Ein Spazierweg schlängelt sich durch die Ruine in die Parkanlagen, welche sich am Fuße des Berges ausbreiten. Diese Anlagen sind die Schöpfung der früheren Besitzerin, und sollen zu ihrer Zeit – Anfang dieses Jahrhunderts – reizend gewesen sein. Leider haben dieselben weder in ihrer Ausdehnung, noch in ihrem Flor erhalten werden können. Statuen und Tepmelchen, zierliche Brücken und Springbunnen sind verschwunden, von "Rotunda" und "Schillerdenkmal" ist keine Spur mehr nachgeblieben." (Stavenhagen, 1862).

Im Jahr 1964 hat der estnische Heimatforscher Uno Hermann darauf hingewiesen, daß sich in einem Taschenbuch aus dem Jahr 1812 eine Beschreibung vom Park von Helmet mit dem Schillerobelisk befindet und daß im heutigen Estland noch ein vor 1813 errichtetes Schillerdenkmal gewesen sein soll (Hermann, 1964:624). Darüber hat aber Prof. Villem Alttoa gemeint, daß wir kaum erfahren werden, wann und von wem es errichtet wurde (Alttoa, 1966:336–338). Die Nachricht selbst lautet im Taschenbuch "Livonia": "Bemerkenswert ist der reizende Park, den die jetzige geistvolle Besitzerin, die Frau Landrätin von Gersdorf, am Fuße des Schloßberges angelegt hat. Die an sich pittoreske Gegend ist dadurch noch mehr verschönert worden /.../. Auch von den architektonischen Anlagen, /.../ verdiente manche einer rühmlichen Erwähnung. Vor allen anderen aber zeichnet sich ein Obelisk von Granit aus, den man auf einer Höhe, die sich über die Baumgruppen des Parks erhebt und eine große lachende Aussicht beherrscht, dem Andenken Schiller gewidmet hat. Schon der Ort war der Huldigung wert, welche die Besitzerin dem Genius des unterblichen Mannes darbrachte." (Das Schloß Helmet in Livland, 1812:72–80).

Das höchst seltene Büchlein im Sedezformat ist reich mit Kupferstichen und gestochenen Noten ausgestattet, wo sich auch eine Ansicht der Schloßruine in Helmet (gezeichnet von Ernst Markus Ulprecht, gestochen von I. Ph. Veith) befindet. Auf der Rückseite des Einbandes ist aber ein Obelisk dargestellt, das vom Schillerobelisk inspiriert sein kann – dafür spricht der Standort auf dem Hügel und die Aussicht davon. Natürlich ist es nur eine Vermutung. Das Bild ist allegorisch und der hundertjährigen Friedensperiode in Livland seit der Einverleibung in das Russische Reich gewidmet. Die abgelegte Kriegsrüstung trägt Jahreszahlen der früheren russischen (1561) und schwedischen (1621) Eroberung. Im Vordergrund stehen Attribute des friedlichen Schaffens. Auf dem Obelisken sehen wir die umkränzte Jahreszahl "1710", am Sockel eine fast leere Tafel mit dem Wort "Livonia". Die Tafel ist mehr geeignet für eine Dichterstrophe als für ein Wort. Die Höhe des Schillerdenkmals beträgt nach der neugefundener Beschreibung 30 Fuß, d.i. etwa 9 Meter. Also können wir uns den Helmetschen Obelisken vorstellen. Aber wenn dieses Bild auch eine Phantasie des Künstlers sein sollte, so waren doch ähnliche Obelisken nebst Urnen, Grotten und Brücken in den damaligen vornehmen Parkanlagen hochmodisch, nur waren sie in der Regel dem Andenken der Nächsten gewidmet (eine farbige Darstellung..., 1799:217).

Nähere Auskunft über den Obelisken kann man in dem im Jahr 1805 gedruckten Büchlein "Fragmente. Aus den Briefen eines Reisenden aus Liefland", das sich im Estnischen Historischen Archiv zu Tartu befindet, finden. Nach dem Schriftstellerlexikon von Recke–Napiersky war der Autor des Büchleins Alexander von Rennenkampf, ein Sohn der Besitzerin des Gutes Helmet E. D. von Gersdorff, (geb v. Anrep), der damals in Göttingen studierte (Deutschbaltisches... 1970:619). Das Büchlein enthält die Briefe eines jungen Mannes an die Freunde. Alle Eigen- und Ortsnamen sind nur mit Anfangsbuchstaben gegeben, aber "H...t", wo die meisten Briefe geschrieben worden sind, bedeutet natürlich den Ort Helmet. Im Buch ist die ausführliche Beschreibung des berühmten Parks und auch eine genaue Schilderung des Schillerobelisken gegeben (Rennenkampf, 1805:78).

Die Schilderung des Autors ist so naturgetreu, daß im Frühjahr 1981, als ich in Helmet war, konnte sie die meist verschütteten unterirdischen Gänge genau verfolgen. Freilich, alles ist zerfallen, verwildert und mit Busch bedeckt, aber zum Glück war noch nicht alles mit Gestrüpp bewachsen. Noch stehen da die alten Lerchenbäume, aber es gibt keine Spur von einem Denkmal. Schon Eduard Philipp Körber hat in seiner Handschrift über die alten Burgen Livlands das Denkmal nicht erwähnt, obwohl er den Park und die Schöpferin des Parkes rühmt (Körber, 1827:103).

Körber hat die Schloßruine 1827 gezeichnet und dann wahrscheinlich auch den Text dazu geschrieben. In demselben Jahr hat A. von Rennenkampf in Hannover anonym das Buch "Umrisse aus meinem Skizzenbuche" herausgegeben, in dem sich der Aufsatz "Livland zu Anfange dieses Jahrhunderts" (S. 27–178) befindet. Das ist eine Beschreibung der Eindrücke und Begegnungen auf dem Wege von Riga bis Helmet von Al. v. Rennenkampf und seinem Bruder Gustav. Die Bruchstücke aus diesem Buch wurden von Fr. Bienmann in seiner Memoirensammlung "Aus vergangenen Tagen. Der Altlivländischen Erinnerungen Neue Folge" wiederholt (Reval, 1913). Im Buch wurde von Bienemann der Helmetsche Park, besonders die "Rotunda" ausführlich beschrieben, aber es gibt kein Wort von einem Obelisken. In erster Linie kann man diese Tatsache so erklären, daß der beschriebene "Sommerritt" offenbar im Jahr 1803 oder 1804 stattgefunden hat, aber das Schillerdenkmal wurde etwas später errichtet (Dichter starb am. 5. Mai 1805). Die Briefe in "Fragmenten" stammen aus Ende Juli 1805, wahrscheinlich wurde auch der Obelisk in diesem Jahr neu erreichtet. Ohne Zweifel dürfte dieses Denkmal in Helmet das erste dem deutschen Genius zu Ehren gewidmete Denkmal der Welt sein. Daß Rennenkampf und Körber in seinen Werken den Obelisken nicht genannt haben, sollte nicht unbedingt bedeuten, daß er im Jahr 1827 schon nicht mehr da stand. Die große Schillerbegeistrung war zu dieser Zeit schon vorüber, man schwärmte für Lord Byron, Walter Scott und Jean Paul Richter. Ein Schillerdenkmal war vielleicht schon etwas Altmodisches geworden. Dagegen in Rußland war Schiller eben in dieser Zeit höchst beliebt und bekannt. Dem russischen Leser wurde auch über sein Denkmal berichtet. Im 6. Teil der St. Peterburgischen Zeitschrift "Íîâîñòè ëèòåðàòóðû" 1822 hat der Herausgeber Aleksandr Wojejkow Bruchstücke der "Malerischen Reise" aus "Livonia" für die Russen vermittelt. Wojejkov war 1815–1820 Professor der russischen Sprache und Literatur an der Universität Dorpatund hat im Sommer 1816 mit seiner Familie und mit dem Dichter Nikolai Shukowsky die schönen Gegenden Livlands bereist. Wahrscheinlich hatte die Reisegesellschaft auch den Obelisken gesehen, sonst hätte er eine Anmerkung nicht unterlassen.

Also können wir nur feststellen, daß Stavenhagen keine Spur von dem Schillerdenkmal gesehen hat. Es ist verständlich, daß die Parkanlagen und Blumenbeete nach dem Tode der Besitzerin schnell verwilderten. Aber wie konnten die große Rotunde, wo 50 Menschen sich zum Festmahl einfinden konnten, und ein 9 Meter hoher Granitobelisk spurlos verschwinden? Waren sie aus irgendwelchen Gründen abgetragen oder verkauft worden? Im Jahr 1862 verkaufte Gustav v. Rennenkampf das Gut Helmet, das die Familie 150 Jahre verwaltet hatte.

Die Ironie der Geschichte besteht darin, daß die kleine deutsche Volksgruppe in Estland, deren Einwohnerzahl nie 5% bis 6% überschritt, die ersten Schiller–Denkmäler in der Welt errichtet hat. In Deutschland wurden ähnliche Denkmäler zwanzig Jahre später errichtet. Heute kann das ehemalige "Landvolk", das vor hundert Jahren von Schiller auch nicht gehört hatte, sich rühmen: die zwei ersten Schiller–Denkmäler in der Welt wurden auf dem Gebiet des heutigen Estland errichtet.

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Wegen Schwierigkeiten des Informations- und Bücherwechsels zwischen der ehemaligen Sowjetunion und den westlichen Ländern habe ich erst ganz neulich, als diese Arbeit schon fertig war, erfahren, daß die Nachricht vom Helmetschen Schillerdenkmal dem deutschen Leser doch schon im Jahr 1986 mitgeteilt wurde. Nämlich ist dem Esten Thomas Salumets aus Toronto mein Aufsatz im estnischen Wochenblatt in die Hände gekommen, und er hat im 34. Bande des "Jahrbuchs für Geschichte Osteuropas" eine Marginalie "Estland und die beiden ältesten Denkmäler Schillers" veröffentlicht (H. 4. S. 481–497). Eingehend wird die Schillerrezeption in Livland um Jahrhundertwende erörtert (S. 481–493), und ganz kurz werden beide Denkmäler mit Illustrationen erwähnt. Der Autor bezieht sich wegen der eingravierten Jahreszahl "1710" auf der Darstellung des Obelisken im Taschenbuch "Livonia" auf das Jahr 1812 und meint, das könnte das Errichtungsjahr bedeuten, also hätte Rennenkampf diesen Obelisken nicht beschreiben können. Dieses Buch wurde unter dem Einfluß der eben begangenen Hundertjahrfeier – Einverleibung der baltischen Provinzen in dem russischen Imperium gedruckt, so hat die Jahreszahl und das ganze Bild auf der Rückseite des Taschenbuchs nur eine allegorische Bedeutung. Es wäre unvorstellbar, daß während der Hunger-, Pest- und Notzeiten jemand einen Obelisken errichtet hätte. Ob dieser Stich aber den Schillerobelisken in Helmet darstellt oder eine Phantasie des Künstlers ist, bleibt ungewiß, feststeht aber, daß in Helmet ein ähnlicher Obelisk dem Dichter Schiller gewidmet war. Davon zeugt die gewählte Dichterstrophe.

Doch ist auch im neuesten Baedeker–Reiseführer "Baltikum. Estland. Lettland. Litauen." (1994) nur das Denkmal auf Puhtulaid als das erste Schillermonument in der Welt genannt.

 

Literatur

Hermann, U. Kas Schilleri monument Puhtus on vanim? // Keel ja Kirjandus. Tallinn, 1964, nr. 10.

Hollander, B. A. Schiller und Livland. // Baltische Monatsschrift. Riga, 1905, Jhg., 47, Bd. 59, Hft., 4, S. 307–337.

Rennenkampf, A. v. Fragmente. Aus den Briefen eines Reisenden aus Liefland. 1805.

Salupere, M. 1981. Vanim F. Schilleri mälestussammas 1805. aastast. // Sirp ja Vasar. Tallinn, nr. 52, 25. 12.

Stavenhagen, W. S. Das Schloß am Werder und die Insel Pucht // Album baltischer Ansichten. Mitau, 1857.

Stavenhagen, W. S. Schloß Helmet // Album baltischer Ansichten. Mitau, 1862, 16. Lieferung.

Das Schloß Helmet in Livland. // Livonia. Ein historisch–poetisches Taschenbuch für die deutsch–russischen Ostsee–Provinzen, Riga und Dorpat, 1812.

Deutschbaltisches biographisches Lexikon 1710–1960. Hrsg. von W. Lenz. Gersdorff, E. D. Köln–Wien, 1970, S. 167.

Koit (Lihula). 1959, nr. 134, 10. Nov.

Muusikaleht. 1926, nr. 8.

Päevaleht. 1930, nr. 213, 08. 08.

Päevaleht. 1933, nr. 315, 18. 11.

Päevaleht. 1937. Nr. 198, 25. Juli

Päevaleht. 1938. Nr. 232, 28. Aug.

Sirp ja Vasar. 1957. Nr. 20, 17. Mai

Àëòòîà Â. Ñòàðåéøèé ïàìÿòíèê Ôðèäðèõó Øèëëåðó. // Ôðèäðèõ Øèëëåð. Ñòàòüè è ìàòåðèàë. Ìîñêâà, 1966.

Handschriftliche Materialien

Körber, Ed. Ph. Vaterländische Merkwürdigkeiten I. Handschrift. Estnisches Staatliches Literaturmuseum. ÖES MB 56.

S. z. B. eine farbige Darstellung des 1799 in Marienburg errichteten Obelisk in der Handschrift Ed. Ph. Körbers "Vaterländische Merkwürdigkeiten... I: befindlich im estnischen Staatlichen Literaturmuseum zu Tartu. ÖES MB 56.